#36 Kate Christensen, Feldmans Frauen
September 28th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
“Hier, du liest doch sowas”, mit diesen Worten legte mir meine Kollegin Feldmans Frauen vor die Nase. Meine Kollegin ist eher die Krimi- und Thrillerspezialistin, und mit so etwas “langweiligem” wie Feldmans Frauen beschäftigt sie sich nicht. Ich muss zugeben, auf den ersten Blick hat mich Feldmans Frauen auch nicht überzeugt, und ich habe eher zähneknirschend zugestimmt, das Buch mal zu lesen um mir einen Eindruck zu verschaffen. Aber wie so oft, täuschte der erste Eindruck.
Oscar Feldman war Künstler und Gegenstand seiner Kunst waren nakte Frauen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Biografen, die sich nach seinem Tod an einer Biografie über den Künstler versuchen, vor allem die Frauen in Oscar Feldmans Leben unter die Lupe nehmen. Da wären neben seiner Ehefrau Abigail, auch seine langjährige Geliebte Teddy und seine Schwester Maxine. Alle drei sind beeindruckende Persönlichkeiten, die ihren ganz eigenen Blickwinkel auf Oscar und ihr Leben mit ihm haben. Gepaart mit den unterschiedlichen Vorstellungen der Biografen ergibt das eine bunt erzählte Lebensgeschichte des Mannes, Geliebten, Künstlers und Bruders Oscar Feldman.
Kate Christensen hat etwas geschafft, was nicht unbedingt viele Autoren bei mir schaffen. Sie hat mich vollkommen überzeugt. Sie schreibt erfrischend und unverblümt und schafft es, die unterschiedlichen Frauen in allen Facetten zu beschreiben. Jede von Ihnen hatte ihren Platz in Feldmans Leben, ihren Lebensentwurf der durch den Künstler auf die ein oder andere Weise zunichte gemacht wurde. Abigail mit ihrem autistischen Sohn, deren ganzes Leben sich um ihren Jungen dreht, weil sie ihrem Mann nicht geben konnte, was er wollte. Teddy mit den beiden Zwillingen, die bei der Geburt der Töchter den Vater nicht anrufen konnte. Selbst die Zwillinge mit ihren unterschiedlichen Meinungen über ihren Erzeuger kommen zu Wort. Und Maxine, die Schwester, die immer im Schatten des Bruders gelebt hat. Was sie alles für ihn aufgegeben hat, wie viel sie geschluckt hat, als Schwester des großen Oscar Feldman, das kommt hier ans Licht. Sie alle kommen zu Wort, erzählen ihren Teil der Geschichte. Das ist niemals langweilig, sondern hochinteressant, unterhaltsam, manchmal schockierend, manchmal sehr erotisch, kein Blatt vor den Mund nehmend.
Ein empfehlenswerter Roman, für alle, die mal etwas abseits des Mainstreams lesen wollen. Man muss kein Kunstkenner sein, um diese drei Frauen, so unterschiedlich sie sind, doch ins Herz zu schließen.